Leben und Arbeiten liegen im Nordend nah beieinander. Der Stadtteil ist geprägt von kleinen inhabergeführten Geschäften und abwechslungsreicher Gastronomie. Kulturstätten wie zum Beispiel Kinos, Theater, Galerien und Bars ziehen weit über die Stadtteilgrenzen hinaus ein kulturinteressiertes Publikum an, ebenso die zahlreichen Buchläden in unserem Viertel. Die Corona-Pandemie stellt Unternehmen, Kulturbetriebe, Freiberufler*innen und Solo-Selbstständige vor kaum zu meisternde Herausforderungen: Die Corona-Auflagen und zeitweiligen Schließungen im Frühjahr und im Winter bedeuten für sie trotz aller Hilfen von Bund und Land massive Einnahmeverluste. Wir wollen zur Verbesserung ihrer Situation beitragen. Darüber hinaus müssen wir auch an das Miteinander im Stadtteil denken: Vor allem in den warmen Sommermonaten zieht es die Menschen im Nordend nach draußen. Der Friedberger Platz, der Matthias-Beltz-Platz und der Luisenplatz sind an den Wochenenden beliebte Treffpunkte. Das bringt auch Konflikte mit den Anwohner*innen mit sich, die durch den Lärm und das Verhalten einiger der Feiernden gestört werden. Hier bemühen wir uns immer wieder um einen Ausgleich.
Spiel- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Familien gibt es reichlich, doch hier bringen wir Ideen ein, die Situation noch deutlich zu verbessern (siehe hierzu Kapitel „Nordend für Kinder“)

Einzelhandel und Gastronomie stärken

Gerade jetzt in der pandemiebedingten Krise wollen wir den lokalen Einzelhandel stärken und unterstützen. Im Rahmen von Sonderaktionen wie zum Beispiel einem autofreien und verkaufsoffenen Sonntag können einzelne Einkaufsstraßen oder Bereiche temporär für den Verkehr gesperrt werden. Geschäfte und Gastronomie erhalten dann die Gelegenheit, ihr Angebot auszuweiten und sich im Stadtteil zu präsentieren. Ein jährlicher Anziehungspunkt auf der Berger Straße ist das Berger Straßenfest, das vom Gewerbeverein Untere Berger Straße organisiert wird. Durch Kultur und internationale Küche zieht es auch viele Menschen aus den anderen Stadtteilen und dem Umland an. Die „Weiße Tafel“, die 2012 noch auf dem Oeder Weg stattfand, lud viele Menschen zum gemeinsamen Kochen und Essen ein. Auch solche von Gewerbevereinen initiierte Aktivitäten wollen wir unterstützen.
Nicht erst seit der Corona-Pandemie ist es schwierig, Ladenflächen neu und dauerhaft zu vermieten. Leerstand bringt aber niemandem etwas, daher wollen wir uns für die Zwischennutzungen leerstehender Flächen einsetzen. Pop-up-Aktionen (kurzfristig, provisorisch eingerichtetes Geschäft, das vorübergehend in leerstehenden Geschäftsräumen betrieben wird) könnten über den Warenverkauf hinaus auch Künstler*innen, Gründer*innen oder sozialen und nachhaltigen Projekten (z.B. Repair-Cafés) Raum bieten. Damit würde auch verhindert, dass Einkaufsstraßen durch zunehmenden Leerstand veröden. Vermieter*innen von Ladenflächen und Interessierte können solche Pop-Up-Aktionen selbst in die Wege leiten. Wir wollen aber prüfen lassen, inwieweit die Stadt leerstehende Flächen vorübergehend selbst mieten kann, um entsprechende Aktivitäten zu initiieren, oder zu vermitteln. Des Weiteren wollen wir das Konzept des/der „Zentren-Kümmererin“, das auf der oberen Berger Straße bereits erfolgreich etabliert wurde, auch in der unteren Berger Straße und anderen Einkaufsstraßen im Nordend etablieren. Diese Funktion vernetzt Gewerbetreibende untereinander und ist Schnittstelle zur Stadtverwaltung und zum Ortsbeirat. Zur besseren Abstimmung von Politik und Wirtschaft werden wir uns für eine regelmäßige Kontaktpflege zwischen Mitgliedern des Ortsbeirates und Vertreter*innen des lokalen Einzelhandels und der Gastronomie einsetzen. Auch bei der Umsetzung innovativer und nachhaltiger Ideen wollen wir Händler*innen und Gastronom*innen unterstützen, indem wir zentrale Infrastrukturthemen, wie Abstellstandorte für Lastenräder auf den Weg bringen und einfordern.

Ein Stadtteil für Kunst und Kultur

Wir sind stolz darauf, dass das Nordend Sitz kleiner unabhängiger Kulturbetriebe ist, die sich mit ihrem Programm auch an Kunst- und Kulturinteressierte jenseits des „Mainstream“ richten. Dieses vielfältige Kulturangebot im Stadtteil muss erhalten bleiben. Im Ortsbeirat möchten wir die Kulturbetriebe unterstützen, indem wir Möglichkeiten prüfen, Kunst und Kultur in den öffentlichen Raum zu holen und niedrigschwellig zugänglich zu machen. Hierzu würden „Offene Ateliers“ beitragen, die ebenfalls im Wege der Zwischennutzung von leerstehenden Ladenlokalen entstehen könnten.
Weiterhin werden wir uns im Ortsbeirat dafür einsetzen, das Kulturfestival „Stoffel“ aus den Mitteln des städtischen Haushalts zu unterstützen.

Öffentliche Treffpunkte


Wir brauchen im Stadtteil Orte, an denen sich Menschen begegnen können – auch abseits von Verzehrzwang und Veranstaltungsprogramm. In den Sommermonaten sind der Friedberger Platz, der Luisenplatz und der Matthias-Beltz-Platz beliebte Treffpunkte. Dies führt jedoch regelmäßig zu Konflikten mit den Anwohner*innen. Wir wollen gemeinsam mit den Anwohner*innen, der ansässigen Gastronomie und den Feiernden weiter daran arbeiten, dass die nächtlichen Ruhezeiten ab 22.00 Uhr eingehalten werden und die Partys nicht ausufern. Am Friedberger Platz klappt dies inzwischen gut. Wir wollen das Konzept der Verständigung und der Rücksichtnahme auch auf den Matthias-Beltz-Platz und den Luisenplatz ausdehnen.
Gleichzeitig wollen wir prüfen, wo im Stadtteil neue Begegnungsräume entstehen können. Das Erdgeschoss des Glauburgbunker-Areals, das nach dem Beschluss des Magistrats einer sozialen bzw. kulturellen Nutzung vorbehalten ist, wird auch Räumlichkeiten für Veranstaltungen, Vereinstreffen o.ä. bieten müssen.

Das Nordend für ältere Menschen gestalten

Viele ältere Menschen leben seit Jahrzehnten in unserem Stadtteil – oft in oberen Stockwerken von Gründerzeithäusern ohne Aufzug. Die Entwicklung der Mietpreise verhindern, dass sie in eine seniorengerechte Wohnung umziehen können. Eine Wohnungstauschbörse kann dazu beitragen, ihnen, aber auch wohnungssuchenden Familien, zu helfen. Nachbarschaftsnetzwerke tragen dazu bei, dass mobilitätseingeschränkte Menschen Hilfe im Alltag erhalten und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Wir wollen diese Netzwerke in ihrer Arbeit unterstützen und dafür sorgen, dass sie weiter ausgebaut werden können.
Im Nordend sollen Menschen aller Altersstufen die Möglichkeit finden, sich zu begegnen. Besonders fördern wollen wir generationsübergreifende Angebote im sportlichen und kulturellen Bereich. So könnte zum Beispiel im Günthersburgpark ein Spiel- und Sportangebot für alle Generationen entstehen.
Schmale Gehsteige, die durch Außengastronomie und parkende Fahrzeuge wie Elektroroller an vielen Stellen zusätzlich verschmälert werden, kurze Ampelschaltungen an Fußgängerüberwegen und uneinsehbare Kreuzungsbereiche erschweren es insbesondere älteren Menschen, sich im öffentlichen Raum fortzubewegen. Wir werden uns dafür einsetzen, diese „neuralgischen Punkte“ weiter zu entschärfen. Mehr Bänke, überdachte Sitzgelegenheiten und mehr öffentliche Toiletten sollen zusätzlich dazu beitragen, die Aufenthaltsqualität gerade für ältere Menschen zu erhöhen.
Ausbauen wollen wir die Beratungsmöglichkeiten für Seniorinnen und Senioren im Stadtteil. Neben einer wöchentlichen Sprechstunde des/der Beauftragten im Stadtteiltreff wollen wir auch die Einrichtung eines Senior*innentelefons unterstützen.