Es tut sich etwas auf den Straßen des Nordends: Endlich haben Radfahrer*innen auf der dichtbefahrenen Friedberger Landstraße fast durchgehend ihre eigene Spur. Die U-Bahn-Stationen „Musterschule“ und „Glauburgstraße“ sind inzwischen barrierefrei – ein Vorbild auch für die Haltestellen „Friedberger Platz“ und „Hessendenkmal“. Künftig wird die Linie 32 an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr das östliche und das westliche Nordend und die Linie 36 das Nordend mit Sachsenhausen verbinden. Die Nachtbuslinien werden ausgebaut und gemeinsam mit den U-Bahn Linien und Straßenbahnen 24 Stunden lang für eine Nord-Süd-Verbindung sorgen. Auf der Nibelungenallee heißt es zwischen 22.00 Uhr und 06.00 Uhr „Runter vom Gas“ – es gilt Tempo 30. Und in der Lortzingstraße bietet eine Quartiersgarage unterirdische Parkmöglichkeiten. Dank zahlreicher GRÜNER Initiativen sind viele Nebenstraßen schon lange vom Durchgangsverkehr befreit und haben ein Tempo-30-Limit. Nur Radfahrerinnen dürfen hier in beide Richtungen fahren.
Doch zugleich beobachten wir: Das Verkehrsaufkommen und der „Parkdruck“ sind weitergewachsen. Von einer echten Verkehrswende sind wir auch im Nordend noch weit entfernt. Deshalb bleibt für uns GRÜNE eine konsequente Mobilitätswende ganz oben auf der Tagesordnung. Sie ist nicht nur klimapolitisch dringend notwendig, sondern sie korrigiert auch die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte und nimmt eine neue Perspektive ein: weg vom Fokus auf motorisierten Individualverkehr, hin zu gut vernetzter Mobilität mit mehr Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer*innen. Wir setzen uns für folgende Maßnahmen ein:

Den Verkehrsraum neu aufteilen

Noch dominieren die Autos den öffentlichen Raum. Ein Umdenken hat jedoch bereits begonnen. Der Radentscheid Frankfurt hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Magistrat ein Konzept erarbeitet, um Nebenstraßen fahrradfreundlich umzugestalten und die allgemeine Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Zentrale Aspekte dabei sind eine Reduzierung des KFZ-Durchgangsverkehrs und die Umwandlung von Dauerparkplätzen in Flächen mit begrünten Sitzgelegenheiten oder Außengastronomie, zu Baumstandorten, sowie zu Kurzzeitparkplätzen für Lieferverkehr. Diese Vorschläge für den Oeder Weg und die Nordend- und Holzhausenstraße unterstützen wir und werden uns im Ortsbeirat für eine zeitnahe Umsetzung einsetzen. Gleichzeitig fordern wir auch für andere Straßen eine Umgestaltung zugunsten von breiteren und sichereren Wegen für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen. Parkplätze sollen zugunsten von Grünflächen und mehr öffentlichem Raum entfallen. Für den zunehmenden Lieferverkehr fordern wir flächendeckend legale, sichere Ladezonen und für die Weiterentwicklung des Angebots von Carsharing-Möglichkeiten die Einrichtung dezidierter Carsharing-Parkplätze – bevorzugt für Elektro-Autos.

Zu Fuß sicher durchs Nordend

Das Nordend ist ein Stadtteil der kurzen Wege. Mit seiner guten Anbindung an die Innenstadt, Bornheim und weitere Stadtteile soll für alle die Möglichkeit bestehen, ihre Ziele sicher und komfortabel zu Fuß zu erreichen. Kreuzungen sollen fußgängerfreundlich umgestaltet werden und die Wartezeiten für Zu-Fuß-Gehende an Ampeln systematisch reduziert werden. Um eine gute Sicht zu ermöglichen, müssen Straßenecken von parkenden Autos freigehalten bleiben; die StVO sieht einen Abstand von fünf Metern zur Einmündung vor. Entsprechende Maßnahmen – auch bauliche- fordern wir ein. Ebenso sind mehr Zebrastreifen vonnöten. Konflikte mit Radfahrerinnen sollen durch bauliche Trennungen vermieden werden. Die Barrierefreiheit muss durchgehend und verlässlich gewährleistet werden: Rollstuhl-Fahrende und Eltern mit Kinderwagen sollen sich auch mit Extra-Breite überall bequem fortbewegen können. Gehwege sollen generell frei von parkenden KFZ sein und im Regelfall eine Mindestbreite von 3m aufweisen. Eine einfache Maßnahme, breitere Gehwege und Radwege zu schaffen, ist die Umstellung von Quer-Parkplätzen, bei denen Autos halb auf dem Gehweg stehen, auf parallel zur Straße ausgerichtete Parkplätze. Regelmäßige Workshops und Rundgänge mit Vertreter*innen der Verwaltung sollen zur Verbesserung bestehender Schwachstellen für den Fußverkehr führen. Wir fordern stärkere und regelmäßige Kontrollen durch die städtische Verkehrspolizei, um das Falschparken konsequent zu ahnden und gefährliche Situationen aufzulösen.

Das Nordend wird Fahrradstadtteil

Egal, ob von der Nationalbibliothek zur Fachhochschule, vom Frauensteiner Platz zum Friedberger Platz oder vom Günthersburgpark zum Merianplatz – mit dem Fahrrad lassen sich alle Ziele im Stadtteil schnell erreichen. Doch das Radfahren im Nordend ist nicht immer angenehm. Oft müssen sich Radfahrer*innen ihre Wege mit dem motorisierten Verkehr teilen, zuweilen stehen ihnen nur sehr schmale Randstreifen zur Verfügung und an einigen Stellen bergen die Schienen der U- und Straßenbahn Unfallgefahr. In zweiter Reihe parkende Fahrzeuge erhöhen das Gefahrenpotential zusätzlich. Im Ortsbeirat werden wir uns dafür einsetzen, die besonders gefahrenträchtigen Stellen und Kreuzungen zu identifizieren und durch bauliche Maßnahmen die Sicherheit zu erhöhen. Die Glauburgstraße wollen wir für Radfahrerinnen sicherer gestalten, indem wir die dortigen Querparkplätze durch Längsparkplätze ersetzen und so mehr Platz abseits der mittig verlaufenden Schienenstränge schaffen. Auch in anderen Straßen – insbesondere engen Einbahnstraßen – kann auf diese Weise die Sicherheit erhöht werden. Besonders Schülerinnen und Schüler sollen mit dem Fahrrad sicher zur Schule fahren können. Vorschläge, um dieses Ziel zu erreichen und um „Elterntaxis“ weitgehend überflüssig zu machen, wollen wir in der kommenden Wahlperiode verstärkt einbringen, so zum Beispiel autofreie Zonen vor Schulhöfen. Wir GRÜNEN im Nordend fordern auch die Einrichtung eines sicheren Radweges entlang des Anlagenringes auf einer eigenen Spur. Dies entlastet die Zu-Fuß-Gehenden auf der Anlage und ermöglicht Radfahrerinnen ein zügiges, sicheres Fahren. Weiterhin werden wir uns dafür stark machen, die noch bestehende Lücke des Radwegs auf der Friedberger Landstraße zwischen Friedberger Platz und Matthias-Beltz-Platz zu schließen.

Vom Parkraum zum Park-Raum

Gerade in dichtbesiedelten Vierteln wie dem Nordend brauchen Menschen unbedingt Raum, um sich in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnungen in angenehmer Atmosphäre draußen aufhalten und begegnen zu können. Die temporäre Spielstraße, die auf Betreiben des Ortsbeirates jedes Jahr in der Heidestraße eingerichtet wird, erfreut sich großer Beliebtheit. In der Nordendstraße entstand die bundesweit erste Begegnungszone als öffentlicher Raum, der allen zur Verfügung steht. Durch eine konsequente Parkraumbewirtschaftung, wie sie in Bornheim bereits eingeführt wurde, wollen wir mehr autofreie Begegnungszonen und Fahrrad- und Spielstraßen etablieren. Wo immer es möglich ist, sollen Entsiegelung und Begrünung dazu führen, dass sich der Stadtteil im Sommer weniger aufheizt und dass die Menschen überall, und nicht nur an „Hotspots“ zusammenkommen und sich in angenehmer Atmosphäre aufhalten können. Das ist gut für die lokale Wirtschaft, den sozialen Zusammenhalt und die Gesundheit. Dort, wo in der Vergangenheit „Stellvertreter“ platziert wurden, um Kreuzungsecken vor Falschparker*innen zu schützen, sollen sie durch sinnvolleres Mobiliar, wie zum Beispiel Fahrradbügel, aber auch Sitzgelegenheiten und Begrünung ersetzt werden. Einmal im Jahr soll es einen autofreien Sonntag geben, an dem Straßen zu Festmeilen, zu Spielplätzen oder zu Freiluft-Restaurants werden können. Bei Neubauprojekten soll ein möglichst großer Anteil der durch die Stellplatzsatzung zwangsweise einzurichtenden Parkplätze Fahrrädern, Lastenfahrrädern und geteilter Mobilität zugedacht werden. Parkräume sollen in Quartieren möglichst außerhalb liegen, damit in ihrer Mitte lebenswerte Aufenthaltsräume entstehen können. Universitäten, Schulen und Verwaltungsgebäude sollten optimal an den ÖPNV angebunden werden und nur den kleinstmöglichen Parkraum vorhalten.

Klimafreundlich unterwegs mit Bus und Bahn

Mit sechs U-Bahnlinien, zwei Straßenbahnlinien und vielen Busverbindungen ist das Nordend bereits gut vernetzt. Zusätzlich setzen wir uns für die Weiterführung der Linie 18 nach Bad Vilbel ein. Ausbaufähig sind aus unserer Sicht vor allem die Querverbindungen – also die heute mit Buslinien erschlossenen Strecken zwischen Nordend-West und Nordend-Ost. Die Verstärkung der Buslinien 32 und 36, die seit dem letzten Fahrplanwechsel in kurzem Takt rund um die Uhr fahren, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Einrichtung einer Ringbahn könnte die Mobilität in unserem Stadtteil weiter vergrößern. Damit alle Menschen im Stadtteil vom öffentlichen Nahverkehr gleich gut profitieren können, fordern wir, dass kein Ort weiter als 500m von der nächsten barrierefreien Haltestelle entfernt liegen darf. An den Haltestellen sollen bequeme Umsteigemöglichkeiten auf geteilte Mobilitätsangebote und ausreichend Fahrradabstellplätze angeboten werden. Wir wollen uns darüber hinaus dafür einsetzen, Haltestellen und Gleisflächen zu begrünen. Um den Anreiz zu erhöhen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, unterstützen wir die Einführung eines Ein-Euro-Tagestickets für den gesamten Frankfurter ÖPNV. Darüber erreichen wir auch die Ziele des Luftreinhalteplans und schützen die Gesundheit der Anwohnerinnen.

Mobil sein heißt vernetzt sein

Unser Alltag wird zunehmend flexibler. Heute arbeiten wir im Home-Office, morgen fahren wir mit Bus und Bahn ins Büro und kürzen den Weg zur Haltestelle mit dem E-Scooter oder dem Leihfahrrad ab. So vielfältig unser Alltag ist, so vielfältig muss Mobilität werden. Durchschnittlich 23 Stunden pro Tag bleiben Fahrzeuge als „Stehzeuge“ ungenutzt – und immer mehr Menschen im Nordend entscheiden sich gegen ein eigenes Auto und für Carsharing. Die Mobilität der Zukunft wird vernetzter sein und die digitale Buchung verschiedener Fortbewegungsmittel über das Internet erlauben. In einem Beteiligungsprozess wollen wir ein Verkehrskonzept für unseren Stadtteil entwickeln, das dieser Entwicklung Rechnung trägt. Sharing-Angebote wollen wir stärken – wir wollen allerdings auch prüfen, inwieweit der Abstell- und Ladeprozess der Elektroroller so gestaltet werden kann, dass herumstehende Roller nicht zur Gefahr für Fußgänger*innen, spielende Kinder und Radfahrer*innen werden.

Autofahren? Aber sicher und klimagerecht!

Weniger ist mehr – weniger Gas bedeutet weniger Lärm, weniger Abgase, weniger CO2. Auf der Nibelungenallee gilt seit 2019 nachts eine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 30. Für die Anwohner*innen bedeutet dies eine erhebliche Lärmminderung. Wir unterstützen die Ausweitung der nächtlichen Tempo-30-Zonen auf die weiteren Hauptverkehrsstraßen im Stadtteil. Besonders auf dem lauten Alleenring soll die Aufenthaltsqualität verbessert werden, indem die Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 40 gesenkt und ein Ausbau von Fahrrad- und ÖPNV-Infrastruktur vorangetrieben wird. Die Straßen sollen nicht für den Durchgangsverkehr durch den Stadtteil attraktiv sein, sondern für die Anwohner und Anwohnerinnen. Außerhalb des Rings soll auf allen Straßen Tempo 30 gelten, in Nebenstraßen möglichst Tempo 20. Den Autobahn-Transit-Verkehr reduzieren wir, indem wir gemeinsam mit Bornheim die Saalburgstraße vom Günthersburgpark (Nordend) bis zur Ringelstraße (Bornheim) verkehrsberuhigen. Nur noch Lieferverkehr, sowie ÖPNV sind berechtigt, die „Grenze“ zu passieren. Die Berger Straße wird dadurch zu einer echten Fußgängerzone mit positiven Effekten für die Wirtschaft beider Stadtteile. Auch die geforderte Citymaut für die Innenstadt wird, einmal umgesetzt, dazu beitragen, den Durchgangsverkehr auf den Hauptverkehrsstraßen im Nordend zu reduzieren. Wir unterstützen auch den Umstieg auf Elektrofahrzeuge. Dafür wollen wir die Möglichkeit, Elektrofahrzeuge im Nordend zu laden, ausbauen, indem wir weitere Ladestationen errichten und uns dafür einsetzen, Tiefgaragen mit E-Lade-Stationen auszustatten.

Vom Durchgangsverkehr zur Campusmeile – den Alleenring neu gestalten

Das integrierte Stadtentwicklungskonzept der Stadt Frankfurt sieht vor, den nördlichen Alleenring mit dem Campus Westend der Goethe-Universität, der Frankfurt School of Finance & Management, der Deutschen Nationalbibliothek und der Frankfurt University of Applied Sciences zur Frankfurter Campusmeile zu entwickeln. Nach dem Vorbild des Frankfurter Museumsufers zielt die Bildung der Campusmeile darauf ab, die Vernetzung der Wissenschaftsinstitutionen zu fördern und dem Ring eine räumliche Identität zu geben. Das stärkt den Wissenschaftsstandort Frankfurt. Wir GRÜNE begrüßen dieses Projekt ausdrücklich und sehen in der Campusmeile zudem die Chance, ein Leuchtturmprojekt der Mobilitätswende zu werden mit hoher Aufenthaltsqualität für Studierende und Bürgerinnen. Daher bedauern wir, dass die Entwicklung der Campusmeile nur schleppend vorangeht und setzen uns ein für:

• die Entwicklung eines ganzheitlichen konzeptionellen Ansatzes für die Campusmeile unter Beteiligung der Studierenden und der Bürger*innen;
• die schrittweise Umsetzung erster Maßnahmen des Ansatzes vor allem in Bezug auf das Mobilitätskonzept (z.B. Reduzierung der Fahrspuren für den motorisierten Individualverkehr, Reduzierung der zugelassenen Geschwindigkeit, Ausbau der Fahrradwege, neue verbindende Fußwege und Stärkung des ÖPVN);
• den Ausbau der Grünflächen und die Verdichtung des Baumbestandes.