Ein urbanes, weltoffenes Klima ist für unseren Stadtteil prägend: Fast 40% der Menschen im Nordend haben eine internationale Familiengeschichte; sie stammen aus über 100 Nationen der Erde. Auch leben im Nordend wieder mehr Familien mit Kindern und viele langjährige und ältere Bewohnerinnen und Bewohner unseres Stadtteils, viele davon Singles, empfinden das Nordend als ihr Zuhause.
Gerade wegen dieser gesellschaftlichen Vielfalt und seines urbanen Charakters gehört das Nordend zu den beliebtesten Vierteln Frankfurts. Hier möchten wir gut zusammenleben und einander rücksichtsvoll und tolerant begegnen. Wenn Spannungen auftreten, setzen wir uns für Lösungen ein, die möglichst alle mittragen können. Alle Menschen im Stadtteil sollen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Zugleich wissen wir: Auch das Nordend ist nicht frei von sozialen Problemen. Viele Menschen sind beunruhigt, weil sie Angst vor Verdrängung und Gentrifizierung haben. Diese Sorgen sind begründet, denn es hat in den letzten Jahren eine schleichende Verdrängung stattgefunden: Vor allem aus dem östlichen Nordend mussten viele weniger wohlhabende Menschen, darunter viele Familien und nicht selten Migrant*innen, fortziehen. Wir GRÜNE nehmen diese berechtigten Befürchtungen vor Verdrängungsdruck ernst und stellen uns den damit verbundenen Herausforderungen.

Vielfalt lebt von Begegnungen

Viele Jahren setzten sich die GRÜNEN im Ortsbeirat für einen Stadtteiltreff im Merianbad ein. Nach jahrelangen Verhandlungen mit dem Magistrat wurde dieser im Januar 2020 endlich eröffnet. Die Ortsvorsteherin und weitere städtische Ehrenamtliche und der Schutzmann vor Ort bieten hier regelmäßige Sprechzeiten an. Im Rahmen der bescheidenen räumlichen Möglichkeiten treffen sich hier schon jetzt Vereine und Initiativen mit Stadtteilbezug.
Auf dem Areal des Glauburgbunkers soll nach dessen Abriss ein Wohnungsneubau errichtet werden. Der Ortsbeirat konnte durchsetzen, dass das Erdgeschoss einer stadtteilbezogenen sozialkulturellen Nutzung vorbehalten bleibt. Wir GRÜNE setzen uns dafür ein, dass hier auch ein inklusives Quartierscafé Platz findet, in dem Veranstaltungen und Feiern von Vereinen, Initiativen und privaten Gruppen stattfinden können.
Auch möchten wir eine verstärkte Kooperation zwischen Ortsbeirat und der im Nordend ansässigen Fachhochschule (University of Applied Sciences) anregen. Dafür bieten sich Projekte des stadtteilbezogenen Miteinanders an, aber auch Themen der Stadt(teil)entwicklung wie Wohnen, Mobilität, öffentlicher Raum und die Gestaltung der Campusmeile.

Vielfalt und Bildung

Tagtägliche Orte der Begegnung sind schon heute die Kitas, Schulen und andere Bildungseinrichtungen. An kaum einem anderen Ort kommen so viele Familien, Kinder und Jugendliche wie auch Erwachsene unterschiedlichster Herkunft und kultureller Prägung zusammen. Besonders Kitas und Schulen sind für das Gelingen von Inklusion und Integration elementar. Ehrenamtliches Engagement, das wir GRÜNE jederzeit unterstützen, verbessert z. B. in der Sprachförderung die Bedingungen für die Entwicklungschancen aller Kinder und Jugendlichen.
In den letzten Jahren hat sich im Nordend eine gute Infrastruktur für außerschulische Bildung entwickelt und bewährt. Die untereinander gut vernetzten Organisationen bieten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Programme für Bildung und Beteiligung an, die wir GRÜNE auch bei schwieriger Haushaltslage unbedingt erhalten möchten. Der Stadtteilarbeitskreis Kinder- und Jugendarbeit ist ein weiteres Beispiel für gelungene Integrationsarbeit; er trifft sich regelmäßig und arbeitet an gemeinsamen Projekten wie die Aktion „Schwellen runter“, die sich um einen guten Übergang von der Schule in den Beruf bemüht.
Besonders unterstützen möchten wir die Bildungsarbeit für junge Menschen, für Frauen und Mädchen sowie für Menschen mit internationaler Familiengeschichte, um ihnen Wege in den Arbeitsmarkt und zu politischer Mitwirkung zu ebnen oder neu zu eröffnen. Aber auch das während der Pandemie vermehrt erwachte Interesse älterer Menschen an Digitalisierung möchten wir in geeigneten Projekten aufgreifen.

Vielfalt sichtbarer machen

Zahlreiche Initiativen und Vereine setzen sich schon jetzt im Nordend für Diversität und Teilhabe ein. Der jährliche Diversity-Tag oder die Interkulturellen Wochen könnten den Rahmen für eine mit dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten organisierte Veranstaltung bieten, damit sich diese Organisationen der Öffentlichkeit vorstellen können.
Sichtbar machen möchten wir auch weibliche Vorbilder aus dem Stadtteil. Projekte hierzu begrüßen und unterstützen wir GRÜNE. Wenn Straßen, Plätze und Schulen einen (neuen) Namen brauchen, sollen Frauen an erster Stelle berücksichtigt werden.

Keine Toleranz gegenüber Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung

Mit großer Sorge nehmen wir in unserer Gesellschaft eine Verschiebung des Sagbaren wahr. Diskriminierende Äußerungen, die gestern noch breite Empörung ausgelöst haben, werden heute mitunter stillschweigend gebilligt. Wir GRÜNE wollen mit dazu beitragen, dass Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung keinen Raum in unserem Stadtteil finden.
Auch im Nordend wollen wir gezielte Antirassismus- und Antidiskriminierungs-Arbeit voranbringen – in Form von Kampagnen, Schulungen, Präventions- und Mediationsangeboten. Dass dies nötig ist, zeigen diskriminierende Erfahrungen z.B. bei der Wohnungssuche, wo es immer wieder auch im Nordend vorkommt, dass nach Herkunft, Namen und Aussehen entschieden wird. Ein erster Schritt besteht darin, dass von Diskriminierung, Anfeindungen, Hass und Gewalt betroffenen Menschen nicht allein bleiben und Gehör finden. Doch wir wollen einen konkreten Schritt weiter gehen und eine Fachberatung für Menschen, die Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung erleben mussten, zu uns in den Stadtteil holen. Die Anlaufstelle hierfür könnte der Stadtteiltreff am Merianplatz sein. Hier sollen, wie wir GRÜNE im Ortsbeirat vorschlagen werden, Expert*innen des Projektes „response“ Betroffene vor Ort beraten.
Erinnerungskultur ist uns GRÜNEN ein Herzensanliegen. Zum 75. Jahrestag der Befreiung am 08. Mai 2020 hat die GRÜNE Jugend mit einem Stadtteilspaziergang auf das Schicksal der von den Nazis verfolgten, deportierten und ermordeten Menschen aufmerksam gemacht. Wir möchten gerne daran anknüpfen und die Auswirkungen der Shoah in unserem Stadtteil sichtbarer machen. Ein solcher Ort des Gedenkens ist die Klingerschule, die von 1933 bis 1937 als SS-Kaserne und Folterstätte missbraucht wurde und zwischen 1941 und 1943 als Versteigerungsort für den Hausrat der aus Frankfurt deportierten und später ermordeten Frankfurter Jüdinnen und Juden diente. Der Vorplatz der Schule soll, wie im Herbst 2020 im Ortsbeirat Nordend beschlossen, neu gestaltet werden und an die Geschichte dieses Ortes erinnern. Auch die Initiative der Stolpersteine möchten wir weiter unterstützen und sie erneut in den Ortsbeirat einladen.